Schon bevor der neue Präsident Alexander Schott das Luftfahrt-Bundesamt übernahm, hatte sich auf anderer Ebene etwas bewegt. Das Bundesministerium für Verkehr (BMV) hat sich gegenüber der Luftfahrtwirtschaft geöffnet und sogenannte Branchendialoge ins Leben gerufen. An diesen Gesprächen nehmen neben den zuständigen Referaten des BMV auch etablierte Verbände der Luftfahrtwirtschaft, das Luftfahrt-Bundesamt und teilweise das Bundesministerium des Innern (BMI) teil.
Auch unser Verband, die FASAG e.V. – Bundesverband für Luftsicherheit, ist vertreten.
Warum ist das so wichtig?
Über lange Zeit war ein direkter Austausch mit dem Luftfahrt-Bundesamt in dieser Form und vor allem auf Augenhöhe kaum noch möglich. Eine Situation, mit der viele Beteiligte äußerst unzufrieden waren. Nicht zuletzt deshalb, weil Unternehmen durch behördliche Entscheidungen, Verfahrensweisen oder fehlende Klärungen teilweise erheblich in ihrer Geschäftstätigkeit eingeschränkt wurden.
Umso erfreulicher ist es, dass offenbar erkannt wurde, wie wichtig der Dialog zwischen Behörden und Wirtschaft ist. Die Branchendialoge sind ein erster, wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Sie schaffen Raum, unterschiedliche Sichtweisen kennenzulernen, Probleme anzusprechen und hoffentlich auch gemeinsam Lösungen zu entwickeln.
Doch bei aller Freude über diese Entwicklung gibt es noch eine Herausforderung, da es in solchen Gesprächsrunden verständlicherweise häufig um übergeordnete Themen geht. Für die vielen vermeintlich kleinen Alltagssorgen der operativen Arbeitsebene bleibt dabei oft wenig Raum. Aber sind diese Alltagssorgen wirklich so klein? Eine unklare Vorgabe hier, eine unterschiedliche Auslegung dort, lange Entscheidungswege oder praktische Abläufe, die sich im betrieblichen Alltag nur schwer umsetzen lassen. Jedes Problem für sich mag überschaubar erscheinen. In der Summe können daraus jedoch erhebliche Belastungen für die Unternehmen und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entstehen. Genau deshalb halte ich es für wichtig, den begonnenen Dialog weiterzuentwickeln.
Warum also nicht auch kleinere, themenspezifische Gesprächsrunden schaffen?
Mit den jeweils zuständigen Fachleuten aus Behörden und Wirtschaft. Mit Menschen, die die Probleme aus ihrem Arbeitsalltag kennen, konkrete Beispiele mitbringen und gemeinsam nach praktikablen Lösungen suchen. Nicht jede Frage muss gleich auf höchster Ebene diskutiert werden. Manchmal erreicht man in einer kleinen Runde mit den richtigen Ansprechpartnern viel mehr als in einer großen Besprechung. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, behördliche Anforderungen infrage zu stellen oder Zuständigkeiten zu umgehen. Es geht darum, gegenseitiges Verständnis zu entwickeln, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen und Lösungen zu finden, die sowohl den gesetzlichen Anforderungen als auch der betrieblichen Praxis gerecht werden. Nur wer miteinander spricht, kann auch verstehen, warum der andere so handelt, wie er handelt.
Ich verbinde mit den Branchendialogen jedenfalls große Hoffnung. Und ich würde mich freuen, wenn aus diesem wichtigen ersten Schritt eine dauerhafte, vertrauensvolle Gesprächskultur entstehen würde – nicht nur auf Führungsebene, sondern auch dort, wo die tägliche Arbeit stattfindet.
Kleine Gruppen können schließlich eine große Wirkung entfalten. Man muss ihnen nur die Gelegenheit dazu geben.
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